Hochtrabende, inhaltsleere Modebegriffe in gedruckten und geschriebenen Informationen, aber auch bei Gesprächen mit potenziell interessanten Mitarbeitern sind ein Alarmzeichen. Sprachliche Schaumschlägerei ist immer dann notwendig, wenn Sachverhalte nicht mehr klar genug ausgedrückt werden können oder wenn unangenehme Dinge nicht auf den Tisch gelegt, sondern versteckt werden. Bubblebegriffe umschreiben auch gerne einmal Dinge, die eigentlich nicht wichtig sind, deren Existenz aber aber dennoch gerechtfertigt werden muss.
Wer sich klar und deutlich ausdrückt, weiß, was er tut und kann auch getrost das Risiko eingehen, an seinen Worten gemessen zu werden. Beschönigende, blumige Schaumschlägerbegriffe braucht es dann nicht, denn gute, belastbare Fakten sprechen für sich. Sprachmüll ist auch ein deutliches Zeichen dafür, nichts Konkretes aussagen zu wollen, keine Fehler machen zu wollen, sich nicht festlegen zu wollen.
Oft versuchen Unternehmen durch exzessiven Einsatz dieser Weichbegriffe das offensichtliche Versagen ihres Geschäftsmodells zu verstecken oder einem durchschnittlichen Geschäftsmodell einen pseudo-professionellen Anstrich zu verleihen. Bei Aktiengesellschaften lebt sogar eine ganze PR- und Investor-Relations-Industrie von der blumigen sprachlichen Verpackung nüchterner Zahlen – um auf dem Laufsteg vor Analysten und der Wirtschaftspresse glänzen zu können.
Wer sagt: „Die nachlassende Dynamik unserer konsolidierten Umsatzentwicklung hat im halbjährlichen Vergleich eine ansteigende Trendabschwächung gezeigt“, der hat ein Problem, denn er kann oder will nicht vernünftig und klar kommunizieren. Wer dagegen sagt: „Unsere Umsätze sind zurückgegangen, weil die Geschäfte schlechter gelaufen sind und das liegt an den Punkten A, B und C“, der zeigt, dass er den Tatsachen ins Auge sieht und Schwierigkeiten nicht verschleiern will, sondern angehen wird.
Misserfolge lassen sich leicht mit sprachlichem Müll kaschieren, obwohl sie in jedem vernünftig geführten Unternehmen offen ausgesprochen werden müssen, um daraus zu lernen.
Sprachliche Schaumschlägerei lässt auch Rückschlüsse auf das Verhalten des Managements und der Mitarbeiter zu: Keine klaren Entscheidungen, keine klaren Zuständigkeiten, Fehlervermeidung um jeden Preis, kein Raum zur Entfaltung von Kreativität und innerer Motivation, keine konstruktive Kritikfähigkeit, kein unternehmerischer Mut, Beamtenmentalität, kollektive Verantwortungslosigkeit.
Wie mag es um das Betriebsklima in einem solchen Unternehmen bestellt sein? Und steht es um Vorgesetzte, die ständig nichtssagendes Blabla von sich geben? Wenn es Zeit ist, Farbe zu bekennen, werden sie sich wie ein Pudding verhalten, den man an die Wand nageln möchte.