Eine einfache Übung zur Prüfung der eigenen Vorurteile
Heute gibt es eine Anregung für eine einfache Übung, die zu überraschenden Ergebnissen führt. Es sind drei einfache Fragen, die du beliebigen Personen aus deinem Verwandten- oder Bekanntenkreis stellen kannst. Die weniger schüchternen unter euch können sie auch einfach mal in der Fußgängerzone irgendwelchen Passanten stellen.
Eine dafür geeignete Einleitung für die Fußgängerzonenversion könnte sein:
„Guten Tag, mein Name ist XY, ich bereite mich gerade auf die Stellensuche vor und mache in diesem Zusammenhang eine kleine Übung. Ich würde Ihnen gerne drei ganz einfache Fragen stellen, das Gespräch würde nicht länger als 47 Sekunden dauern. Können wir das machen?“
Es ist hilfreich, sich die Antworten aufzuschreiben. Nun zu den drei Fragen und deren Sinn und Zweck:
Was machen Sie beruflich?
Die Antworten werden dir zeigen, wie vielfältig die Berufswelt eigentlich ist. Sie werden von der immer gleichen flexiblen, teamfähigen, engagierten, eigenverantwortlichen eierlegenden Wollmilchsau, die in den Stellenanzeigen gesucht wird, mehr oder weniger stark abweichen.
Wie ist die Entscheidung gefallen, das heute beruflich zu tun?
Die Antworten werden dir zeigen, dass bei den meisten Menschen berufliche Entscheidungen mehr oder weniger zufällig gefallen sind. Für mich ist das immer wieder erstaunlich, weil gerade das Berufsleben so wichtig ist, dass man es eher nicht dem Zufall überlassen sollte. Im Umkehrschluss haben Leute, die zu der Minderheit zählen, die ihren Berufsweg sorgfältig plant, erheblich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, als sie es selbst vermuten. Sie konkurrieren schließlich mit der eher zufallsgesteuerten Mehrheit.
Was haben Sie ursprünglich gelernt?
Die Antworten werden dir zeigen, dass es in der Arbeitswelt keine Ausnahme ist, wenn jemand später nicht das tut, wofür er formell qualifiziert ist. Im Gegenteil: Es ist die Regel. Die Mehrheit macht später beruflich etwas anderes, als das, wofür sie durch Ausbildung oder Studium qualifiziert ist.
Sinn und Zweck dieser Übung ist, zu sehen, dass sich das, was man über den Arbeitsmarkt üblicherweise liest und sieht, sich doch sehr stark von dem unterscheidet, was man in der Realität vorfindet. Alles ist viel unprofessioneller als es scheint, viel unperfekter, bunter und vielfältiger – es menschelt einfach an allen Ecken und Enden. Der hochglanzpolierte durchgestylte Außenauftritt von Top-Unternehmen auf Mitarbeitersuche passt vielfach nicht zur Realität. Das ist beruhigend, denn es zeigt, dass man in der Berufswelt mit dem vielfach unterschätzten Faktor GMV (Gesunder MenschenVerstand) doch sehr viel mehr erreichen kann als mit einem aalglatt-perfekten Lebenslauf.